gasnitrierte Nockenwelle Nachbearbeitung

In diesem Forum soll es um die Reparatur unserer XT gehen
Martin01
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gasnitrierte Nockenwelle Nachbearbeitung

Beitragvon Martin01 » Do Mär 17, 2022 23:51

Guten Abend zusammen,

Da mein XT Motor kurz vor Fertigstellung steht, beschäftigt mich momentan ein altes Thema, worüber ich im bucheli Projekt gelesen habe.
Es geht um das Nachpolieren von gasnitrierten Nockenwellen, in meinem Fall einer Großewächter GW1.

Da es etwas Überwindumg kostet, an einem nagelneuen Teil das Schleifpapier anzusetzen, haben ein Forumskollege und ich uns bei verschiedenen Bezugsquellen über die Notwendigkeit der Nachbearbeitung informiert und stehen jetzt wieder zwischen den Bänken.

Erste Angabe ist eben im bucheli Projekt ( https://motorang.com/bucheli-projekt/tuningwelle.htm ) wo empfohlen wird, gasnitrierte Nockenwellen nachzubearbeiten, da der sonst entstehende Abrieb bis zum Motorschaden führen kann. Klingt einleuchtend und die Oberfläche auf der Nockenwelle ist definitiv nicht 100%ig glatt.

Nun habe ich allerdings nochmal Kedo kontaktiert, da dort nirgends eine Angabe zu einer Nacharbeit zu finden ist.
Wie nicht anderst zu erwarten, empfiehlt Kedo die Nockenwelle unbehandelt zu verbauen.
Kedo verkauft von den Dingern wohl nicht nur 5 Stück im Jahr und sollte etwas Erfahrungen damit haben.

Der Forenkollege hat direkt bei Großewächter angerufen und sich dort nach dem Thema erkundigt:
Auch dort die Aussage, eine Nachbearbeitung ist nicht notwendig.
Durch die raue Oberfläche hält am Anfang das Fett besser auf der Nockenwelle, bis sie Öl umspült ist und danach schleift sie sich innerhalb kürzester Zeit glatt.
Falls eine Gefahr von dem Abrieb ausgeht sollte wohl auch Großewächter hier eher die Nachtarbeit empfehlen, den Image Schaden kann sich doch so ein Hersteller nicht erlauben, oder?


Ich hoffe, ich löse damit jetzt keinen Glaubenskrieg aus, aber wie sind eure Erfahrungen damit, was würdet ihr empfehlen?
Kann es sein, dass die aktuellen Nockenwellen bereits nachbearbeitet sind?

Morgen im Laufe des Nachmittags könnte ich ein Bild meiner neuen NW einstellen.

Grüße
Martin

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Re: gasnitrierte Nockenwelle Nachbearbeitung

Beitragvon Hiha » Fr Mär 18, 2022 5:40

Großewächterwellen sind phosphatert und/oder nachgehärtet, aber soweit ich das beurteilen kann, nicht gasnitriert.
Gruß
Hans

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Re: gasnitrierte Nockenwelle Nachbearbeitung

Beitragvon Mambu » Fr Mär 18, 2022 8:07

In der Tat teilen sich hier die Geister.
Diese Diskissuionen hatten wir in meiner alten Firma auch, allerdings waren dort die Laufflächen von Gleitlagern und an Wellendichtringen, also sehr weichen Gleitpartnern das Thema.
Ich halte das Nacharbeiten bei Hartblockhebeln für überflüssig, schaden tut eine leichte Nacharbeit mit Läppleinen oder Schleifvlies sicher auch nicht. Selbst für die hoch belasteten Gleitlager in Hydraulikpumpen haben wir zuletzt auf Nacharbeit verzichtet, ... die PTFE- Schicht der Gleitlager hat das vertragen.
Was GW genau für eine Oberflächenbehandlung macht, müsste man erfragen. Eine zusätzlich zum Nitrieren aufgebrachte Phosphatschicht verbessert die Gleiteigenschaften signifikant. Das Phosphat hält auf nitrierten Oberflächen besser als auf nachbearbeiteten.
Ich habe auch einige nitrierte Kipphebel im Einsatz da sieht man schön, wie sich Nockenwelle und Kipphebel gegenseitig glätten.

Herzliche Grüße
Mambu

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Re: gasnitrierte Nockenwelle Nachbearbeitung

Beitragvon Hiha » Fr Mär 18, 2022 8:22

Ich habe auch einige nitrierte Kipphebel im Einsatz da sieht man schön, wie sich Nockenwelle und Kipphebel gegenseitig glätten.
Erzähl mehr darüber: Nitrierte Hartblockhebel? Nachgeschweißte ehemals Hartverchromte? Wenn nachgeschweißt: Womit?
Meine Erfahrungen zu den von Campro umgeschliffenen und langzeit-gasnitrierten Wellen: Da ist Polieren der Nocken mehr als sinnvoll. Das ist ansonsten wirklich wie 2000er Schleifpapier, und kann Einlauffresser in den ersten Kilometern ergeben. Die von Großewächter sehen völlig anders aus, die Härteschicht ist auch dicker, weshalb ich vermute dass die (induktiv?)nachgehärtet werden. Mit ziemlicher Sicherheit haben sie eine Phosphatierungsschicht.
Gruß
Hans

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Re: gasnitrierte Nockenwelle Nachbearbeitung

Beitragvon Mambu » Fr Mär 18, 2022 9:24

Hoi Hans,

Es handelt sich um nachgeschliffene "alte" Kipphebel, die anschließend nitriert wurden.
Hast Du mal eine GW-Welle bez. Der Einhärtetiefe untersucht? Im Schliffbild würde man ja auch erkennen, ob nitriert oder nicht.

Herzliche Grüße
Mambu

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Re: gasnitrierte Nockenwelle Nachbearbeitung

Beitragvon Hiha » Fr Mär 18, 2022 10:52

Es handelt sich um nachgeschliffene "alte" Kipphebel, die anschließend nitriert wurden.
Ah, einfach ohne Chrom und nitriert. Interessant, geht wahrscheinlich nur auf Graugussnocken?
Hast Du mal eine GW-Welle bez. Der Einhärtetiefe untersucht? Im Schliffbild würde man ja auch erkennen, ob nitriert oder nicht.
Nein, hab ich noch nicht. Dazu hatte ich zu wenig GW-Wellen in Betrieb. Aber aktuell liegt glaub ich grad eine hier rum. Mal schaun. Anätzen mit Schwefelsäure..
Gruß
Hans

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Re: gasnitrierte Nockenwelle Nachbearbeitung

Beitragvon Mambu » Fr Mär 18, 2022 11:47

Ah, einfach ohne Chrom und nitriert. Interessant, geht wahrscheinlich nur auf Graugussnocken?
...genau, funzt mit nachgeschliffenen Nocken sehr gut, einen Satz hatte ich kurzfristig auch mit einer gebrauchten MC X17 in Betrieb. Waren nur etwa 150km, aber Verschleiß war nicht im Ansatz zu erkennen.
Größere Havarien vertragen die Dinger aufgrund der dünnen Nitrierschicht halt nicht... :wink:
Das Foto zeigt die Lauffläche mit zwo Dellen aufgrund eines "Ventilküsstkolbenereignisses":
Screenshot_20220318-114550_Gallery.jpg
Herzliche Grüße
Mambu

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Re: gasnitrierte Nockenwelle Nachbearbeitung

Beitragvon Stollies » Fr Mär 18, 2022 20:23

Danke für Eurer Fachwissen. Wir kicken unsere alte Lady nach 6Monaten Komplettrevision wieder zurück ins Leben.
Drückt die Daumen.

Lg
Finn & Jürgen

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Re: gasnitrierte Nockenwelle Nachbearbeitung

Beitragvon Martin01 » Fr Mär 18, 2022 22:00

Von mir auch vielen Dank für die Erläuterungen zum Härten. Zu den verschiedenen Verfahren sollte ich wohl mal wieder mein Fachkunde Metall Buch auspacken und mir die Unterschiede der Verfahren anschauen.

Grüße
Martin

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Re: gasnitrierte Nockenwelle Nachbearbeitung

Beitragvon Twinshocker » Sa Mär 19, 2022 16:59

Beim Gas- oder Plasmanitrieren muß man sich halt immer vergegenwärtigen daß die Schicht zwar bockhart aber auch sehr dünn ist , es kommt also sehr aufs Grundmaterial an. Für punktuelle Belastungen ist das nicht so geeignet wobei ich einen Kipphebel da nicht dazuzählen würde .
Das ist wie wenn ne Kuh auf einem zugefrorenen See steht , das Eis ist zwar hart genug aber wenn es zu dünn ist bricht sie trotzdem ein .

Man kann übrigens die Einhärttiefe undd ie Dicke der Verbindungsschicht auch steuern bei entsprechenden Teilen wird das auf der Zeichnung angegeben.
Wo ich beruflich herkomme haben wir einige solche Teile und die werden zum Teil auch poliert was wirklich gut geht, aber Obacht ! Die Schicht ist wie gesagt sehr dünn , also nix allzu abrasives es geht z.B. ne normale Schwabbelscheibe mit Wachs.

Was halt toll ist daß sich die Teile so gut wie nicht verziehen , das heisst fertigbearbeitete Teile können zum Schluß gehärtet werden.
......gefangen im Körper eines Erwachsenen.......

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Re: gasnitrierte Nockenwelle Nachbearbeitung

Beitragvon Hiha » Sa Mär 19, 2022 19:29

Wenn man verschlissene Kipphebel aufschweisst, kann man bei Verwendung des richtigen Schweissdrahtes eine auch noch nach den 550° des Nitrierens harte Schicht aufbringen. Ich werd das mal probieren...
Gruß
Hans


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